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Fehlentwicklung: Behindertenwerkstatt produziert für Rüstungsindustrie

Wir von entia vermarkten die hervorragenden Produkte aus deutschen Werkstätten für Menschen mit Behinderung mit viel Herzblut. Um so mehr tut es uns weh, wenn wir Fehlentwicklungen in dieser Branche bemerken, über die wir auch an dieser Stelle schreiben müssen. Gestern ging durch die Presse, dass die Werkstatt der Lebenshilfe Cuxhaven für ein Rüstungsunternehmen Teile von Leuchtminen produziert haben soll. Das ist ungeheuerlich und ist aber letztlich nicht ein Einzelfall, sondern Teil einer Fehlentwicklung bei einigen Werkstätten, vor der ich an dieser Stelle deutlich warnen will.

Im wesentlichen haben die Werkstätten zwei Wege, Arbeit zu finden: Man produziert sogenannte Eigenprodukte, die man in Eigenregie entwickelt, fertigt und vermarktet. Oder man besorgt sich Aufträge aus Gewerbe und Industrier, also Lohnfertigung. Der Bereich der Lohnfertigung ist massiv viel größer in Deutschland als jener der Eigenprodukte. Es gibt dazu keine verlässlichen Zahlen, aber wenn man die Informationen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (BAGWfbM) auf www.bagwfbm.de auswertet, so kommt man zu dem Schluss, dass es mindestens 90 bis 95 Prozent sind.

Der Grund dafür ist einfach erklärt: Die Aufträge aus der Industrie sind häufig sehr umfangreich, man kann die behinderten Mitarbeiter einarbeiten und danach produzieren sie zum Teil über Jahre immer die gleichen Produkte. Aus sich der Werkstattleitung ist das bequem. Eigenprodukte zu entwickeln und zu vermarkten bedarf eines letztlich erheblich größeren Engagements.

Vielleicht hat es die Werkstatt-Leitung in Cuxhaven ja wirklich nicht gewusst. Und trotzdem ist es ein Zeichen (oder eben auch ein Beispiel) für eine Fehlentwicklung, wenn WerkstattleiterInnen Aufträge über die Lohnfertigung von Produkten annehmen, von denen sie selber nichts wissen. Das macht die Seelenlosigkeit von Lohnfertigung sichtbar.
Werkstätten sollten eigentlich auch den Wert einer Arbeit vermitteln, sollten ihren MitarbeiterInnen deutlich machen, wozu Menschen überhaupt arbeiten, warum es Freude und Stolz bereiten kann zu arbeiten. Wenn aber schon die Werkstattleitung nicht weiß, was sie da produziert, wie sollen denn da noch Werte vermittelt werden?
Um es klar zu sagen: Ich finde WfbM gut und wichtig. Aber die ausufernde Lohnfertigung führt in die falsche Richtung.

Wir hier bei entia fördern deshalb alle Werkstätten, die Eigenprodukte vermarkten wollen. Denn auf diese Weise werden die Werkstätten unabhängiger von der Industrie. Und die Arbeit der Menschen mit Behinderung wird sinnvoller.

Veröffentlicht von

Michael Ziegert

Michael Ziegert

Ich bin der Gründer von entia. Ich kann mich an Dingen erfreuen, die gut aussehen, gut riechen, sich gut anfühlen - und deren Wert man spürt. Und bei denen ich weiß, mit welcher Sorgfalt und Intensität sie angefertigt wurden. Sie finden mich auch auf Google+

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