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Tag der Menschen mit Behinderung: Farce oder Statement?

Der heutige „Tag der Menschen mit Behinderung“ ist eigentlich überflüssig. Sollten wir diese merkwürdig diffuse Unterscheidung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung beibehalten – natürlich nicht. Warum ist so ein Gedenktag wie heute dann also nötig? Weil alles noch nicht so ist, wie es sein könnte – und auch sollte.

Die Vereinten Nationen rufen ihn seit 1993 aus. Aber die UN haben auch den „Weltfernmeldetag“(17.Mai),  den „Tag des öffentlichen Dienstes“ (23.Juni), den „Welttag des Fernsehens“(21.November) , den „Tag der Internationalen Zivilluftfahrt“ (7.Dezember) und den „Welttag der Berge“ (11.Dezember) ausgerufen. Als Teil dieser Reihe erscheint der Sinn des „Tages der Menschen mit Behinderung“ eher peripher. Es ist kaum zu glauben, dass ein solcher Tag die Menschen aufrüttelt.

Also: Eigentlich ist dieser Gedenktag eine Farce, also überflüssig? Leider nicht.

Solange unsere Gesellschaft von „leistungsgeminderten Menschen“ spricht wenn Menschen mit Behinderung gemeint sind – solange ist ein Gedenktag wohl eher wirklich nicht verzichtbar. Solange Arbeitgeber an die Probleme denken und nicht an die Lösungen, wenn man Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten in ein Unternehmen integrieren will; solange immer noch Rollstuhlfahrer wie Kinder angesprochen werden; solange nicht allgemein verstanden wird, was wir von Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung lernen können; solange „Inklusion“ etwas ist, das man mit Hilfe von „Aktionsplänen“ realisieren muss; solange es Menschen ängstigt, wenn Individualisten vom Schema abweichen;

… solange brauchen wir wohl noch einen Gedenktag wie den heutigen. Schade eigentlich. Aber wir sollten die Hoffnung nicht aufgeben. Wir brauchen keine Gesellschaft von Gleichen unter Gleichen. Sondern eine Gesellschaft, in der jeder seine individuellen Fähigkeiten und Wünsche leben kann und von allen respektiert wird.

Veröffentlicht von

Michael Ziegert

Michael Ziegert

Ich bin der Gründer von entia. Ich kann mich an Dingen erfreuen, die gut aussehen, gut riechen, sich gut anfühlen - und deren Wert man spürt. Und bei denen ich weiß, mit welcher Sorgfalt und Intensität sie angefertigt wurden. Sie finden mich auch auf Google+

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